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Eintrag
Marieke,
29 Jänner 2008
India,
Kolkata
Schwestern unterwegs I - Weihnachten mal anders
Da waren wir nun also endlich in Darjeeling angekommen. Es war der Nachmittag des 23.12., Wiwis Geburtstag, wir hatten eine anstrengende Nacht hinter uns und daher wollten wir eigentlich nur schnell ein nettes Hotel finden um uns auszuruhen und dann noch ein bisschen Geburtstag zu feiern. Zu einfach? Natürlich...
Zuerst liefen wir mit unseren schweren Rucksäcken mal komplett in die falsche Richtung, da aus den Aussagen der Leute die wir fragten irgendwie nicht ganz herauszulesen war, wo wir uns eigentlich genau befanden. Auf dem Rückweg des Irrweges beobachtete ich wie ein Mann, der hinten auf einem Jeep stehend mitfuhr, sich offensichtlich absichtlich langsam auf die Straße fallen ließ. Als er dann aber doch ziemlich heftig auf diese knallte und der Jeep einfach weiter fuhr, war ich mir doch unsicher, ob er dies mit Absicht getan hatte. Wir liefen natürlich schnell hin um nach dem Mann zu schauen und mussten leider feststellen, dass wir auch die einzigen waren, die dieser auf der Straße liegende, am Kopf blutende Mann interessierte. Die Leute schauten zwar hin, aber niemand unternahm etwas. Wir sprachen sie auch an und baten einen Krankenwagen zu rufen, aber darauf reagierten sie nicht und liefen dann einfach weg. Wenn ich das jetzt hier so schildere habe ich wieder Gewissenskonflikte, denn auch ich habe dem Mann letztendlich nicht persönlich geholfen, da das was ich beobachtet hatte einfach zu absichtlich aussah und leider lernt man hier in Indien sehr schnell, Allem und Jedem zu misstrauen, so dass ich irgendwie Angst hatte, dass dahinter eine fiese Falle steckte. Das mag lächerlich klingen, es erschien mir aber in dieser Situation sinnvoller, schnell zur nächsten Polizeistation zu laufen, damit diese das dann regeln. Die Polizei war nicht wirklich daran interessiert was wir berichteten, haben aber am Ende dann doch ein paar Leute dort hingeschickt. Uns hat diese Erfahrung jedenfalls beide ziemlich schockiert, denn auch wenn der Mann zum Glück nicht lebensbedrohlich verletzt war, so wäre in Deutschland doch mit Sicherheit nach ein paar Minuten ein Rettungswagen vor Ort gewesen (mal ganz davon abgesehen, dass in Deutschland die Wahrscheinlichkeit eher gering ist von einem fahrenden Auto zu fallen, denn aus gutem Grund ist das Mitfahren auf Stoßstangen schlichtweg verboten). Hier haben wir also mit eigenen Augen gesehen was ich immer wieder gelesen habe, dass es offensichtlich stimmt, dass ein Menschenleben nicht so viel wert ist in Indien, denn es gibt einfach zu viele.
Und der letzte Grund der es uns nicht ganz einfach machte schnell ein nettes Hotel zu finden war, dass ich gelesen hatte, dass im Winter aufgrund der Kälte in Darjeeling Nebensaison ist. Daher hatte ich es nicht für nötig gehalten ein Zimmer im Voraus zu buchen. Dies stimmte auch theoretisch, nicht gewusst hatte ich jedoch, dass auch Inder liebend gerne über Weihnachten nach Darjeeling fahren. So war Darjeeling für genau die Tage die wir dort verbringen wollten schon ziemlich ausgebucht. Na ja, am Ende dieser anstrengenden Reise fanden wir dann doch noch ein Hotel, so dass wir uns dann etwas später sogar noch auf unsere erste Shoppingtour begeben konnten und mit einem leckeren Essen noch ein wenig Wiebkes Geburtstag feiern konnten.
Den 24.12. verbrachten wir dann zunächst erstmal damit noch einmal ausgiebig durch Darjeeling und seine netten Läden zu streifen. Währenddessen suchten wir auch nach einer Kirche, wurden aber leider nicht fündig, so dass wir diese Weihnachten mal ohne Kirchgang feierten. Abends versuchten wir dann es uns ein wenig nett zu machen, was aufgrund der fehlenden Weihnachtsdekoration (nicht mal Kerzen haben wir gefunden), passender Musik und des fehlenden Restes der Familie nicht ganz so einfach war. Die passende Musik haben wir dann Dank Kathas toller Idee doch noch gehabt, denn gleich zu Beginn der Bescherung hielt ich Bachs Weihnachtsoratorium in den Händen. Ja, auch wenn dieses Weihnachten einmal völlig anders war als normalerweise, haben wir es doch schön gehabt, natürlich auch weil alle so lieb an uns gedacht haben. Ich denke wir freuen uns aber beide umso mehr auf das nächste Weihnachten wieder zu Hause…
Für den Weihnachtsmorgen hatten wir einen Ausflug zum Tiger-Hill geplant, um von der höchsten Stelle in der Umgebung Darjeelings den Sonnenaufgang zu beobachten. Wir trafen uns also morgens um halb fünf mit Karen und Tariz (zwei Engländerinnen, die mal für kurze Zeit meine Nachbarn in der YWCA in Kolkata waren und die wir am 23. zufällig in Darjeeling wieder getroffen hatten) und fuhren hoch zum Tiger-Hill. Dort erwarteten uns schon Scharen von Indern, zwischen denen wir dann eingequetscht den Sonnenaufgang über dem dritthöchsten Berg der Welt beobachteten. Aufgrund der Massen an Menschen konnten wir es nicht so ganz genießen, aber das war trotzdem ein Ereignis, was einfach zu einem Darjeelingbesuch dazu gehört.
Außerdem darf natürlich auch eine Fahrt mit dem legendären Toy-Train und ein Spaziergang durch eine Teeplantage nicht fehlen, was wir beides auch an diesem Tag unternommen.
Zuerst schlenderten wir also durch eine Teeplantage, was einfach nur wunderschön war. Normalerweise kann man dort auch die Fabrik besichtigen und so dann also alle verschiedenen Schritte beobachten bis das Endprodukt entstanden ist, im Winter steht diese jedoch still. Uns genügte aber der Anblick der Teebüsche und des Erntens dieser auch schon vollauf.
Nachmittags machten wir dann noch eine Fahrt mit dem Toy-Train, einer alten Schmalspureisenbahn mit Dampflokomotive, die noch aus den Zeiten der Engländer stammt.
Man hätte noch soviel mehr in Darjeeling machen können, aber der Winter ist einfach nicht die perfekte Reisezeit, so wurde es Zeit sich mal wieder richtig aufzuwärmen.
Daher begaben wir uns dann am nächsten Tag wieder ins Tal, um von dort nach Delhi zu fliegen.
Ja und hiermit enden erstmal meine in Indien verfassten Berichte, denn ich bin jetzt nur noch zwei Tage hier und da hab ich anderes vor. Aber natürlich werde ich dieses Tagebuch demnächst noch vernünftig beenden, auch wenn ich den einen oder anderen von euch vorher auch schon wiedersehen werde, worauf ich mich übrigens sehr freue...
Bis ganz bald, eure Marieke
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Das war wohl wirklich Weihnachten mal ganz anders!Aber ich freu mich schon wenn wir nächstes Jahr wieder gemeinsam! den Glühweinmarkt unsicher machen können
)
Schön, dass ich nicht der Einzige war, der dieses Weihnachten unkonventionell verbracht hat
In Kenia war es noch nicht mal kalt















